Matschiger oder flüssiger Kot

img_1898w0kjeWodurch entsteht Durchfall?

Wenn ein Meerschweinchen breiigen oder dünnflüssigen Kot absetzt, spricht man von Durchfall. Dieser kommt durch eine Reizung der Darmschleimhäute zu Stande bzw. im späteren Stadium dann durch eine entzündete Darmschleimhaut. Die Darmschleimhaut beim Meerschweinchen entzündet sich sehr schnell.

Achtung! Bei Durchfall besteht die Gefahr, von Fliegenmaden befallen zu werden! Schützen Sie Ihr Meerschweinchen!

Ursachen

Folgende Ursachen sind verbreitet:

  • Eine starke Belastung durch Fehlernährung (z.B. Trockenfutter, auch getreidefreies, viel Getreide, Süßigkeiten, Leckerlis, zu viel Knollengemüse und Obst, zu wenig Grünfutter…). Eine häufige Ursache ist die grundsätzlich falsche Fütterung von Meerschweinchen. Bitte informieren Sie sich hier auf dieser Seite umfassend zur richtigen, trockenfutterfreien Ernährung!
  • Frischfutter-Unverträglichkeit: Reagiert Ihr Meerschweinchen auf Frischfutter mit Durchfall, so gibt es immer eine tiefere Ursache. Wildlebende Meerschweinchen ernähren sich nur von Frischfutter, unsere Haus-Meerschweinchen haben die gleiche Verdauung. Wenn sie kein Frischfutter vertragen, haben sie meist Parasiten oder werden mit Trockenfutter ernährt, das die Verdauung derart angreift, dass sie kein Frischfutter mehr vertragen. Ebenfalls kann es durch eine zu trockene Ernährung (Heu, Trockenkräuter, Trockenfutter, Trockengemüse etc.) zu Unverträglichkeiten kommen. Lässt man alles Trockene außer Heu weg und füttert statt dessen ausnahmslos gutes Grünfutter (Wiese, Zweige, Bittersalate, Karottengrün, Küchenkräuter) rund um die Uhr, so geht der Durchfall wieder weg.
  • Das frische Grün im Frühjahr (besonders eiweißreich) kann ebenfalls Durchfall auslösen, wenn es nicht langsam angefüttert wird.
  • Infektionen oder Parasiten wie Würmer, Kokzidien und Hefen, Fehlbesiedlungen. Lassen Sie eine Kotprobe von zwei bis drei aufeinander folgenden Tagen auf Hefen, Kokzidien, Würmer und e. coli Bakterien untersuchen. Sollte diese zu keinem Ergebnis führen und andere Ursachen ausgeschlossen sein, ist eine erweiterte, große Kotprobe sinnvoll.
  • Erhöhte Belastung durch unzerkautes Futter (Zahnprobleme oder hastiges Schlingen weil zu wenig Futter angeboten wird)
  • Giftstoffe, die sie angreifen (mit Spritzmitteln belastetes oder vergorenes Frischfutter, Medikamente (z.B. Antibiotika), giftige Dinge wurden angefressen),
  • Antibiotika kann auf den Darm schlagen und zu Durchfall führen. Gerade wenn es länger gegeben wurde, ist der Darm oft noch eine Weile empfindlich und neigt zu weichen Kot.
  • Oftmals ist auch die Darmflora durch Antibiotika-Gaben, eine falsche Fütterung oder eine zu frühe Trennung von der Mutter unvollständig aufgebaut oder es besteht eine Fehlbesiedlung.
  • Auf starken Stress können empfindliche Meerschweinchen mit weichem Kot reagieren.
  • Manche Meerschweinchen vertragen einzelne Gemüsesorten nicht und reagieren auf diese mit Durchfall (Unverträglichkeiten, Allergien).
  • Nahrungsverweigerung durch andere Krankheiten kann sekundär Durchfall verursachen.
  • Auch viele andere Grunderkrankungen (z.B. organische Erkrankungen, Viren…) führen zu Durchfall, bei Verdacht sind deshalb weitergehende Untersuchungen, insbesondere ein Blutbild, nötig.

Wichtig: Anders als beim Menschen ist Durchfall beim Meerschweinchen nicht ungefährlich und hat immer eine krankhafte Ursache! Suchen Sie unbedingt die Ursache und lassen Sie das Meerschweinchen beim Tierarzt behandeln.

Behandlung: Was hilft gegen Durchfall?

Ernährung während des Durchfalls: Bei Matschkot oder leichten Durchfall kann mittels einer „Durchfall-Diät“ der Durchfall meist schnell beseitigt werden. Füttern Sie vorübergehend nur abwechslungsreiches Grünfutter und Heu. Möglichst Grünfutter aus der Natur, viele Wild- und Küchenkräuter, Gräser, Karottengrün, Laub und frische Eichenzweige und -blätter.  Unterstützend kann man geriebenen, an der Luft leicht bräunlich gewordenen Apfel, Fenchel, eingeweichte Leinsamen und eine Banane am Tag geben. Bieten Sie Verdauungstee (reinen Kräutertee!) an um die Wasserzufuhr zu erhöhen und die Verdauung zu beruhigen. Keinesfalls sollte nur Heu (Heudiät) gefüttert werden, denn dieses enthält zu wenig Wasser und Nährstoffe und schwächt das Tier unnötig. Dr. med. vet. Anja Ewringmann schreibt in „Leitsymptome beim Meerschweinchen, Chinchilla und Degu“: „Eine ausschließliche Heu- und Wasserdiät ist nicht geeignet, um den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Durch sie kann nicht ausreichend Energie bereitgestellt werden, zumal berücksichtigt werden muss, dass die normalen Resorptions- und Aufschlussvorgänge gestört sind.“

Ursache finden! Wichtig bei Durchfall ist jedoch, die Ursache zu suchen. Sollte Durchfall auftreten, so ist es unumgänglich, die eigene Fütterung zu überdenken und eine Kotprobe von drei Tagen (gemischt von allen Tieren der Gruppe) beim Tierarzt auf Hefen, Kokzidien und Würmer untersuchen zu lassen (dies kostet etwa 15-20€). Tritt wiederholt Durchfall auf, muss das Meerschweinchen beim Tierarzt gründlich auf Zahnprobleme hin untersucht werden. Wurde vor dem Durchfall ein ungeeignetes oder neues Futter gereicht, sollte dieses auf keinen Fall weiter gefüttert werden, denn es könnte die Ursache sein.

Wann sofort zum Tierarzt? Hält der Durchfall länger als einen Tag an oder ist das Meerschweinchen schlapp, verweigert sein Essen oder anderweitig auffällig, sollte jedoch umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden (Notdienst), denn dann besteht recht schnell Lebensgefahr. Meerschweinchen können durch Durchfall dehydrieren (austrocknen), der Kreislauf kann daraufhin versagen, was zum Tod führt.

Was macht der Tierarzt? Der Tierarzt stabilisiert den Kreislauf (Infusionen) und verabreicht Medikamente, die den Durchfall behandeln. Unterstützende Medikamente sind allgemein Durchfallpulver N (Dr. Shaette), Dysticum und Stullmisan vet. Pulver, bei Durchfall durch Antibiotika oder andere Vergiftungen auch Aktivkohle bzw. medizinische Kohle (Apotheke, Internet) sowie Heilerde und zur Regeneration der Darmflora Bierhefe, Apfelpektin oder Präbiotika/Probiotika. Hauptsächlich wird jedoch der Durchfall behandelt, indem die Ursache behoben wird. Gerade bei akuten Durchfall mit Kreislauf-Problemen müssen Meerschweinchen meist stationär beim Tierarzt bleiben, sie erhalten Infusionen und werden überwacht.

Pflegemaßnahmen

Ein Meerschweinchen mit Durchfall muss gut gepflegt und beobachtet werden. Wichtig ist, den Durchfall ein bis zweimal täglich aus dem Fell zu waschen/schneiden und die Afterregion sauber zu halten. Der Tierarzt kann den Bereich frei rasieren. Richtiges Waschen sollte dabei eher vermieden werden bzw. nur gelegentlich stattfinden, da sonst die Haut gereizt wird und sich entzündet. Manchmal reicht es aus, mit einem Feuchttuch für Babys oder einem nassen Waschlappen die Region zu putzen, in anderen Fällen muss das Meerschweinchen mit dem Hinterteil in eine Schale mit lauwarmen Wasser gestellt werden, so dass der Kot aufweicht und abgewaschen werden kann. Meerschweinchen mit Durchfall müssen in den Sommermonaten bis zur Genesung nach drinnen geholt werden, da die Gefahr von einem Madenbefall besteht. Auch in der Wohnung gibt es Fliegen, deshalb müssen die Tiere zusätzlich zweimal täglich in der Afterregion penibel auf Fliegenmaden kontrolliert werden.
Da Durchfall-Meerschweinchen einen erhöhten Mineralienbedarf haben, sollte auch jeden Fall ein Himalaya-Salzleckstein oder Kochsalzlösung in einem Napf zusätzlich zum Wasser (niemals als Ersatz!) angeboten werden.

 

Quellen u.a.

Ewringmann, A.; Glöckner, B. (2012): Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Georg Thieme Verlag.

Gabrisch, K. (2010). Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche.

Hamel, I. (2002). Das Meerschweinchen als Patient. Georg Thieme Verlag.

Hein, J. (2016): Durchfall bei Kleinsäugern–optimale diagnostische Aufarbeitung. kleintier konkret, 19(S 01), 43-45.

Hein, J. (2017). Durchfallerkrankungen bei Kleinsäugern: Ursache, Diagnostik, Therapie. Schlütersche.

Zinke, J. (2004): Ganzheitliche Behandlung von Kaninchen und Meerschweinchen: Anatomie, Pathologie, Praxiserfahrungen. Georg Thieme Verlag.

Zinke, J. (2005): Behandlung nichtinfektiöser Erkrankungen bei Kaninchen und Meerschweinchen. Biologische Tiermedizin, 59.

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