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Das kranke Meerschweinchen

Ein Meerschweinchen ist wahrlich ein kleiner Schauspieler. Es wird versuchen, zu vertuschen, dass es ihm nicht gut geht. Denn in freier Wildbahn wäre ein kränkelndes Tier ein gefundenes Fressen für Greifvögel oder andere Raubtiere. Erst wenn es ihm sehr schlecht geht, wird man ihm das ansehen können. Deshalb ist es sehr wichtig, seine Tiere genaustens zu beobachten, damit man frühestmöglich reagieren und einen Tierarzt aufsuchen kann. (siehe: http://meerschweinchenwiese.de/gesundheit/schweinchen-tuev)

Das kranke Tier sollte, wenn irgendwie möglich, nicht von der Gruppe getrennt werden. Die Gefahr, dass es sich aufgibt, wenn es isoliert sitzt, ist sehr groß.

Sollte Ihr Meerschweinchen krank sein, kommen Sie nur selten drum herum, Medikamente zu verabreichen. img_0376tkhtDamit dies schonend für Ihr Meerschweinchen und stressfrei für Sie von statten geht, möchten wir hier Tipps zu diesem Thema geben. Gerne nehmen wir weitere nützliche Tipps mit auf.

Tipp: Bei mehreren Medikamenten kann es sinnvoll sein, sich die Dosierungen schon beim Tierarzt zu notieren.

Hinweis: Viele Medikamente sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, oft lohnt es sich, zu einer anderen Darreichungsform zu wechseln.

Wichtig: Wenn Sie die Medikamente in etwas verstecken, dann probieren Sie vorher, ob dieses Futter auch ohne Medikament gefressen wird. Nur wenn es beliebt ist, lohnt es sich, die Medikamente darin zu verarbeiten. Sollten die Meerschweinchen das Futter ohne Medikament fressen, mit aber verschmähen, so wird oft einfach zu viel vom Medikament in wenig Futter angeboten, so dass die Meerschweinchen dieses leicht herausschmecken. Oft ist es sinnvoll, erst Futter ohne Medikament zu geben, dann das Medikament darin zu verstecken und anschließend wieder Futter ohne Medikament. Sonst kann es passieren, dass es die Meerschweinchen mit der Zeit nicht mehr fressen.

Tabletten

Viele Medikamente sind in Tablettenform erhältlich.
Folgende Tricks können Sie probieren:

  • Frisst das Meerschweinchen vielleicht die Tabletten selbst, wenn sie ihm als Leckerli gegeben oder ins Gehege gestellt werden (z.B. homöopathische Tabletten, Angocin und viele Tabletten von „Naturheilkunde bei Tieren“)?
  • Manchmal fressen die Meerschweinchen Tabletten mit, wenn sie z.B. in Trockenfrüchten (handliche Happen) versteckt werden. Manche Meerschweinchen merken das jedoch… Ideal sind z.B. ungezuckerte Cranberries.
  • Wickeln Sie kleine Tabletten in ein Blatt Basilikum oder anderes schmackhaftes Futter ein.
  • Zerkleinern Sie die Tabletten stark, um sie besser verabreichen zu können. Zum Zerkleinern können sie einen Medikamententeiler, einen Tablettenmörser/Tablettencrusher, eine Gabel, ein Messer oder zwei in einander gelegte Löffel (zusammen drücken) verwenden. Noch einfacher ist es jedoch, die Tabletten in einem Kaffebohnen-Zerkleinerer oder einer Küchenmaschine zu Pulver zu verarbeiten. Die zerkleinerten Tabletten bzw, das Pulver kann man recht einfach verabreichen, wie unter „Pulver“ aufgeführt.
  • Lösen Sie im schlimmsten Fall das Medikament mit wenig Wasser auf und geben es wie bei „flüssigen Medikamenten“ aufgeführt oder mit einer 1ml-Spritze seitlich ins Mäulchen (ohne Nadel). Fixiergriffe: Siehe unten. Weitere Verabreichungsformen, siehe „Flüssigkeiten“.

Flüssigkeiten

Flüssigkeiten lassen sich auf folgende Arten eingeben:

  • Mag das Meerschweinchen vielleicht das Medikament selbst fressen, wenn die Spritze ans Mäulchen gehalten wird?
  • Mischen Sie das Medikament mit etwas Lieblingsfutter, das sich gut zu Brei verarbeiten lässt (z.B. Apfel, Haferlocken). Sollte das Meerschweinchen die Medikamente herausschmecken, muss mehr Futter dazu gemischt werden.
  • Manche Meerschweinchen nehmen Futter, in dem die Flüssigkeit versteckt wurde, z.B. ungezuckerte Cranberries mit Medikamentenfüllung oder ein gefaltetes Basilikumblatt mit Medikamentenschicht dazwischen.
  • Mag Ihr Meerschweinchen Säfte? Z.B. Karottensaft oder Obstsaft? Wenn es diesen zuverlässig trinkt, kann das Medikament hinzu gemischt werden.
  • Eine eher unzuverlässige Darreichungsform ist über das Trinkwasser, da gesund ernährte Meerschweinchen (viel Frischfutter) kaum trinken, die anderen Meerschweinchen mit trinken und die Trinkmenge schwankt. Wenn jedoch keine andere Darreichungsform klappt, da z.B. das Meerschweinchen sehr schwer zu händeln ist, wäre eine Option, wenige Tage etwas trockener zu füttern und das Medikament ins Trinkwasser zu geben. Manche Medikamente schmecken jedoch so schlecht, dass die Meerschweinchen nichts davon trinken. Zudem muss das Medikament für alle Meerschweinchen der Gruppe geeignet sein und das Trinkverhalten überprüft werden.
  • Wenn nichts anderes klappt: Geben Sie das Medikament mit einer 1ml Spritze seitlich ins Mäulchen ein (siehe weiter unten).

Pulver

  • Pulver lässt sich meist problemlos mit Apfel oder einer anderen Lieblingsspeise vermischen, dann wird es sehr gerne mitgefressen. Probieren Sie vorher aus, ob das Meerschweinchen überhaupt das Futter (ohne Medikamente) mag. Sollte es das Medikament zu stark herausschmecken, sollte mehr Mischsubstanz hinzugemischt werden.
  • Vieles Pulver lässt sich auch mit Flüssigkeit mischen und kann dann wie unter „Flüssigkeiten“ aufgeführt, verabreicht werden.
  • Ebenfalls kann das Medikament mit wenig Wasser aufgelöst und mit einer 1ml-Spritze seitlich ins Maul eingegeben werden.

Globuli

Homöopathische Medikamente werden oft als Globuli angeboten. Diese lassen sich meist recht einfach verabreichen indem man:

  • Die Globuli in ein Futterstück (z.B. Apfel), das gerne gefressen wird, stecken und mit verfüttern.
  • Die Globuli mit einem Lieblingsfutter vermischt.
  • Manche Meerschweinchen nehmen die Globuli auch freiwillig aus der Hand oder fressen sie im Futter mit.
  • Wenn man seitlich am Mäulchen die Haut anhebt, kann man sie dahinter schieben.
  • Viele Globuli-Medikamente kann man auch in anderen Darreichungsformen kaufen.

Meerschweinchen spritzen

Eine recht schonende und gut verträgliche Darreichungsform ist, dem Meerschweinchen subkutan das Medikament zu spritzen. Gespritzte Medikamente werden nicht über den Darm aufgenommen und sind deshalb schonend zur Verdauung. Der Tierarzt kann anleiten, wie die Medikamente richtig gespritzt werden. Bitte beachten Sie, die Meerschweinchenhaut ist sehr dick, so dass die meisten Meerschweinchen kurz aufquiken, wenn sie eine Spritze bekommen. Geben Sie Ihrem Meerschweinchen anschließend einen Leckerli, dann ist der Pieks schnell wieder vergessen.

Zwangs-Eingabe und Fixiergriffe

Die letzte Möglichkeit sollte immer sein, ein Meerschweinchen zur Medikamentenaufnahme zu zwingen, indem es zwangsweise eingegeben wird. Erst wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind (andere Darreichungsform, sämtliche Tricks), kann dieser Schritt gewählt werden.
Nur Medikamente, die unbedingt notwenig sind, sollten so eingegeben werden, da der Stress, der mit der Zwangs-Eingabe verbunden ist, für die Gesundheit und das Vertrauen des Tieres nicht sehr förderlich ist. Bei Herzerkrankungen ist eine Zwangseingabe auf jeden Fall nicht zu empfehlen, da meistens der Stress der Eingabe mehr schadet, als das Medikament nützt.

Allgemeine Hinweise: Versuchen Sie, schnell und bestimmt die Medikamente einzugeben. Die Eingabe ist mit erheblichem Stress verbunden, der durch zu vorsichtiges Eingeben und ewiges Herumprobieren nur noch verstärkt wird. Fangen Sie das Meerschweinchen schnell ein und jagen Sie es nicht ewig herum. Geben Sie gleich das Medikament ein und lassen das Meerschweinchen anschließend sofort wieder laufen. Manchmal ist es sinnvoll, eine leckere Flüssigkeit dazu zu mischen, damit es besser gefressen wird. Schluckt das Meerschweinchen nicht, sollte auch z.B. Obstsaft dazu gemischt werden. Ansonsten hilft nur den Mund zu füllen, es abzusetzen (dann wird wieder geschluckt) und es noch mal hoch zu heben.

Das Meerschweinchen kann wie folgt fixiert werden:

  • Knien Sie sich auf den Boden und klemmen das Meerschweinchen zwischen ihre Oberschenkel (Popo zu Ihnen, Kopf von Ihnen weg). Mit einer Hand wird das Köpfchen fixiert, mit der anderen das Medikament seitlich in den Mund eingegeben.
  • Wickeln Sie das Meerschweinchen in ein Handtuch, so dass nur noch der Kopf herausschaut. So kann es sich nicht wehren und Sie können recht einfach die Medikamente eingeben.
  • Klemmen Sie das Meerschweinchen unter Ihren Unterarm, fixieren Sie dabei mit der haltenden Hand den Kopf und geben Sie mit der anderen das Medikament ein.
  • Setzen Sie das Meerschweinchen auf sein Hinterteil und auf Ihren Schoß, sein Rücken angelehnt an Ihren Bauch. Geben Sie nun das Medikament ein.
  • Niemals das Meerschweinchen auf den Rücken drehen! Bei Eingabe auf dem Rücken kann das Medikament in die Luftröhre laufen und das Meerschweinchen ersticken.
  • Fixieren Sie bei der Eingabe immer mit einer Hand den Kopf (so dass das Meerschweinchen sich nicht wegdrehen kann).

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