Auch wenn die Mindestmaße eine wichtige Basis für eine artgerechte Haltung sind: Nicht nur die Größe ist beim Meerschweinchengehege entscheidend, sondern auch die Strukturierung. Durch die richtige Einrichtung kann man den Tieren sehr viel mehr Lebensqualität verschaffen. Dafür sollten ein paar Grundregeln beachtet werden.

Mindestmaße

Als Mindestmaß für zwei bis drei Tiere sollte man zwei Quadratmeter Grundfläche rechnen, wobei eine Rennstrecke von min. 2m angeboten werden sollte. Bei Weibchen sind 0,5m², für Böckchen 1m² je Tier das Minimum. Größer ist natürlich immer besser! Etagen werden nicht zur Grundfläche gerechnet. Käfige sind grundsätzlich ungeeignet und zu klein!

Grundausstattung

  • Mindestens so viele Unterschlüpfe, wie Tiere + 1 (zwei Meerschweinchen, drei Meerschweinchenhäuschen)
  • Heuraufen und Heuberge
  • Meerschweinchen lieben Kuschel-Einrichtung
  • Ein standsicherer Wassernapf, der auf einer einstreufreien Fläche steht, Nippeltränken nie als alleinige Wasserquelle

Einstreu

Meerschweinchen lieben weichen Untergrund, dabei können verschiedene Einstreuformen für Abwechslung und gesunde Pfötchen sorgen.

Welche Einstreu ist geeignet?
Fleece-Haltung?

Geeignete Unterschlüpfe

  • Weidenbrücken
  • Häuschen mit immer mindestens zwei Eingängen (damit keine Sackgassen entstehen)
  • Korkröhren
  • Etagen oder kleine Etagen mit Füßen (wie kleine Tische)
  • Tunnel aus Holz
  • Holzbrücken
  • Kuschelsäcke, Kuschel-Unterschlüpfe
  • Hängematten
Achtung: Nicht alles, was für Meerschweinchen angeboten wird, ist sicher! Auch tierschutzwidriges Zubehör wird im Handel verkauft und kann beim Tier zu Leiden, Schäden oder sogar zum Tode führen.

Achtung tierschutzwidriges Zubehör!

Gerade in den Zoohandlungen wird häufig Zubehör angeboten, welches deinen Meerschweinchen gefährlich werden kann! Zum Beispiel:

  • Einstreu mit Duftstoffen (z.B. Zitrus)
  • Futterbälle aus Metall, in denen sich Meerschweinchen verfangen und strangulieren können
  • Häuschen aus Plastik
  • Nippeltränken als alleinige Wasserquelle
  • Futter- oder Heuraufen ohne Deckel
  • Mineral- und Salzsteine

Sich sicher fühlen: Fluchtmöglichkeiten für Angstschweinchen

Meerschweinchen sind von Natur aus Fluchttiere, die genug Rückzugsmöglichkeiten benötigen. Offene Flächen vermeiden sie, um kein Opfer von Raubtieren zu werden. Als Faustformel sollte von keinem Punkt im Gehege der Unterschlupf weiter als 80cm entfernt stehen, so dass sie alle Flächen nutzen und sich trotzdem sicher fühlen. Sehr ängstlichen Tieren hilft es, wenn mit Nadelbaumzweigen, welche über die Unterschlüpfe gelegt werden, Schutz geboten wird. Auch Heu kann dabei helfen, die Meerschweinchen bauen gerne Laufwege, die dem Lebensraum in der Natur nachempfunden sind.

Meerschweinchen mögen keinen Körperkontakt

Meerschweinchen kuscheln nicht, wie es bei anderen sozial lebenden Tieren verbreitet ist. Sie halten untereinander Individualabstände ein – kommen sie sich zu nahe, ist das meist eher eine Drohung, um rangniedere Meerschweinchen zum Gehen aufzufordern und deren Platz einzunehmen. Gekuschelt wird nur bei Panik oder großer Gefahr, bzw. natürlich auch bei Jungtieren, die bei ihrem Muttertier säugen.

Ist das Gehege recht schmal oder sind Engstellen vorhanden, so müssen die Tiere sehr nah aneinander vorbei laufen. Das kann zu Problemen führen, da sich rangniedere Meerschweinchen nicht vorbei trauen oder nicht den Abstand zum ranghohen Tier einhalten können, was von diesem als respektlos wahrgenommen wird. Solche Engstellen können mit Weidenbrücken und Tunneln entschärft werden, da die Wand der Brücke dafür sorgt, dass die Tiere einen optisch getrennten Gang zum vorbei laufen vorfinden.

In die Enge getrieben: Rundwege statt Sackgassen

Sackgassen sind ein weiterer Faktor, der dafür sorgt, dass es zu Spannungen innerhalb der Gruppe kommt oder ganze Bereiche unbenutzt bleiben. Oftmals lässt sich das lösen, indem z.B. über eine Etage mit flachen Aufgang eine Fluchtmöglichkeit oder ein Rundweg angeboten wird. Prinzipiell sollte das Gehege so angelegt werden, dass Rundwege ermöglicht werden und keine Sackgassen entstehen.

Aus dem Sichtfeld entziehen können

Rangniedere Meerschweinchen können sich oftmals nur so richtig entspannen, wenn sie auch mal aus dem Sichtfeld des ranghohen Tieres entweichen können. Um dies zu ermöglichen, sind optische Trennwände, z.B. durch Häuschen oder verschiedene Gehegebereiche sinnvoll.

Funktionsbereiche: Essen, schlafen, sprinten…

Meerschweinchen nutzen verschiedene Bereiche auf unterschiedliche Weise. Während beim Fressen wichtig ist, dass alles gleichzeitig genug Platz am Futterplatz haben und keiner zu kurz kommt, sind Schlafbereiche am besten etwas abseits im hinteren Bereich des Geheges platziert. Rennstrecken sollten so gestaltet werden, dass die Tiere jeder Zeit in Häuschen flüchten können, aber genug Platz vorhanden ist, so dass sie mindestens zwei Meter am Stück sprinten können.