(Otitis externa (Außenohrentzündung), media (Mittelohrentzündung) und interna (Innenohrentzündung))

Das Meerschweinchen-Ohr besteht aus dem Außenohr, das sich bis zum Trommelfell erstreckt (das, was man mit Otoskop sieht, wenn man ins Ohr schaut), dem Mittelohr (hinter dem Trommelfell, nicht sichtbar) und dem Innenohr.

Ohrenentzündung beim Meerschweinchen sind häufig, werden jedoch oftmals nicht oder sehr spät erkannt.

Symptome: Wie erkenne ich, dass mein Meerschweinchen an einer Ohrenentzündung erkrankt ist?

Viele Meerschweinchen zeigen keinerlei offensichtliche Anzeichen, deshalb ist es wichtig, Meerschweinchen regelmäßig (z.B. ein bis zweimal im Jahr) oder bei kleinsten Anzeichen beim Tierarzt vorzustellen und die Ohren kontrollieren zu lassen.

Die meisten Meerschweinchen mit Ohrenentzündung zeigen keine Symptome.

Mögliche Symptome Außenohrentzündung (Otitis externa):

  • Sekret, Krusten oder Eiter im Außenohr
  • Übler Geruch aus dem Außenohr
  • Schütteln der Ohren
  • Kratzen an den Ohren
  • Ruhigeres Verhalten oder anderes Schmerzverhalten
  • Zahnerkrankungen (die Schmerzen am Ohr verändern das Kauverhalten)

Mögliche Symptome Mittel- und Innenohrentzündung (Otitis media et interna):

  • Schütteln der Ohren
  • Kratzen an den Ohren
  • Ruhigeres Verhalten oder anderes Schmerzverhalten
  • Zahnerkrankungen (die Schmerzen am Ohr verändern das Kauverhalten)
  • Kopfschiefhaltung (Innenohrentzündung)
  • Gleichgewichtsstörungen (wackeliger Gang, …)
  • neurologische Störungen (z.B. Krämpfe)

Ursachen: Wie entstehen Ohrenentzündungen beim Meerschweinchen?

Entstehung der Außenohrentzündung

  • Milben (Kopfräude oder Ohrräude)
  • Bakterien (z.B. durch Bisswunden (unharmonischer Gruppenzusammenstellung), Kratzwunden (Milben, Mittelohrentzündung…) oder auch ein Fremdkörper) oder wenn das Trommelfell nicht mehr intakt ist durch eine Mittelohrentzündung, die auf das Außenohr übergeht.
  • Hefen (vor allem bei feucht warmen Klima, z.B. durch Plastiküberzüge von handelsüblichen Ställen, Keller, Schimmel in der Wohnung, in der sie gehalten werden)

Entstehung der Mittel- und Innenohrentzündung

Es gibt generell zwei Infektionswege, die unterschieden werden.

Aufsteigende Infektion über die Nase (die eustachische Röhre verbindet die Nase mit den Mittelohr)

Hier spielen Atemwegserkrankungen eine Rolle. Hat das Meerschweinchen aktuell oder in der Vergangenheit geschnupft oder Nasenausfluss gehabt?

Absteigende Infektion über das Außenohr (wenn das Trommelfell durch eine Außenohrentzündung reißt, geht die Infektion auf das Mittelohr über)

Ursachen: Siehe Außenohrentzündung

Die Innenohrentzündung entwickelt sich aus der Mittelohrentzündung, im Innenohr sitzt der Gleichgewichtssinn, d.h. wenn das Meerschweinchen Gleichgewichtsstörungen hat, ist das Innenohr bereits mit geschädigt.

Diagnose: Ist es wirklich eine Mittelohrentzündung?

So stellt der Tierarzt die Diagnose:

Außenohrentzündung:

  • Begutachtung der Ohrmuscheln (Katz- oder Bissverletzungen, Krusten…?)
  • Untersuchung des Gehörgangs (mit Otoskop oder Endoskop: Sekret, Eiter, Krusten…?)
  • Wenn der Verdacht auf eine Außenohrentzündung besteht, muss diese genauer eingegrenzt werden. Dafür eignet sich die zytologische Untersuchung des Sekretes (enthält es Bakterien, Hefen oder Milben? – die Behandlung richtet sich nach dem Befund, denn das beste Antibiotikum hilft nicht, wenn die Ohrenentzündung durch Milben oder Hefen verursacht wurde)
  • Manchmal ist auch eine bakteriologische Untersuchung mit Antibiogramm des Sekretes sinnvoll um zu sehen, welche Antibiotika wirksam sind.

Mittel- und Innenohrentzündung:

Merke: Durch eine Ohrenuntersuchung mit Otoskop kann kein Tierarzt sehen, ob das Meerschweinchen an einer Mittel- oder Innenohrentzündung leidet, denn er sieht nur bis zum Trommelfell!

  • Röntgen (dorso-ventrale Ebene) oder Computertomographie (CT) der Ohren (das Mittel- und Innenohr liegt hinter dem Trommelfell, nur durch bildgebende Verfahren kann es untersucht werden!). Die CT ist zur Ohrendiagnostik dem Röntgen überlegen.

Therapie: Wie werden Meerschweinchen mit Ohrenentzündung behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und auch danach, welcher Teil des Ohres betroffen ist.

  • Die Ursache muss grundsätzlich behoben werden (z.B. streitende Böckchen trennen)
  • Wenn das Meerschweinchen weitere Symptome hat (z.B. neurologische Symptome oder ein schlechtes Allgemeinbefinden) sind teils weitere Maßnahmen (z.B. B-Vitamine und Infusionen) sinnvoll. Frisst es nicht, muss es gepäppelt werden.
  • Es muss Schmerzmittel verabreicht werden
  • Eine Reinigung und Spülung des Außenohrs ist wichtig (Ohrreiniger, Kochsalzlösung), wenn das Trommelfell nicht intakt ist, dürfen nur Ohrreiniger verwendet werden, die das Innenohr nicht schädigen!

Bakterielle Ohrenentzündung

  • Antibiotika (meistens Enrofloxacin) in den Mund und teils auch in das Ohr (Augentropfen oder angemischte Lösung)
  • Bei eitrigen, bakteriellen Infektionen darf kein Cortison angewendet werden (z.B. kein Surolan)

Ohrenentzündungen durch Hefen

  • Spüllösung mit pilzabtötenden Wirkstoff (z.B. Clotrimazol in NaCl), teils auch zusätzlich Itraconazol in den Mund

Ohrenentzündungen durch Milben

Das Meerschweinchen und ggf. auch weitere Meerschweinchen in der Gruppe werden mit Milbenmitteln behandelt. Durch die Milben können auch Bakterien und Hefen zum Problem werden, die dann entsprechend mit behandelt werden müssen.

  • Selamectin (Stronghold® 15–30 mg/kg, entspricht 0,25–0,5 ml/kg): Spot-on für den Nacken. Wirkt drei bis vier Wochen, so dass die noch aus Eiern nachschlüpfenden Milben erfolgreich mit behandelt werden, eine Nachbehandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Nach Anwendung darauf achten, dass Partnertiere das Stronghold nicht abschlecken!
  • Ivermectin (Ivomec® 0,3-0,5 mg/kg, versch. Wirkstärken erhältlich): Injektionslösung zum Spritzen oder Pur on als Spot on für den Nacken. Bei Letzteren darauf achten, dass es Partnertiere beim Putzen nicht wegschlecken. Dreimalige Anwendung im Abstand von jeweils 7-10 Tagen erforderlich.
  • Imidacloprid/Moxidectin (Advocate® 0,1ml/kg)

Quellen

Ewringmann, A.; Glöckner, B. (2012): Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu: Diagnostischer Leitfaden und Therapie. Georg Thieme Verlag.

Gabrisch, K. (2010): Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche.

Hamel, I. (2002): Das Meerschweinchen als Patient. Georg Thieme Verlag.