Herzerkrankungen treten in der Regel bei älteren Meerschweinchen ab etwa 4 Jahren auf. Sie werden häufig spät oder zu spät erkannt.

Beim wöchentlichen Meerschweinchen-TÜV sollten auch die Nase, Augen und Genitalien genau betrachtet werden.

Ursachen

  • Zu kohlenhydratreiche Ernährung (Kardiomyopathie)
  • Infektionen durch Bakterien, Viren etc, (Staphylokokken, Salmonellen, Atemwegserkrankungen, Coronavirus usw.)
  • trockene und dadurch zu kalziumreiche Ernährung (hoher Blut-Kalziumspiegel im Blut > Verkalkung der Aorta (Arteriosklerose))
  • Vitamin E, Vitamin C und Selen Mangel (eine hohe Zufuhr schützt vor Herzerkrankungen)
  • Vitamin D Mangel (eine hohe Zufuhr schützt vor Herzerkrankungen)
  • Stoffwechselstörungen: Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
  • Rassebedingte Veranlagung bzw. einzelne Zuchtlinien (kann erblich bedingt sein)
  • Durch chronische Lungenerkrankungen
  • Übergewicht
  • Mykotoxine aus dem Heu oder anderen verschimmelten Futter bzw. verschimmelten Gehegen oder Innenräumen
  • Stress, Bewegungsmangel
  • Alterserscheinung (Ermüdung des Herzmuskels): Bei älteren Tieren kommt es durch Gewebealterung gehäuft zu Klappeninsuffizienzen. 

Symptome

Herzerkrankungen werden meistens sehr spät oder zu spät festgestellt, da die ersten Symptome unauffällig sind. Das erste Anzeichen ist meistens, dass betroffene Meerschweinchen gegenüber Gleichaltrigen eher “ruhig” und nach Bewegung erschöpft sind.

Bläuliche Schleimhäute zeigen akute Atemprobleme an!
  • Bewegungsunlust: das Meerscweinchen bewegt sich weniger
  • Verminderter Appetit, Abmagerung, Appetitlosigkeit
  • Schnelle Ermüdung, schlechte Kondition: das Meerschweinchen wirkt nach kleinerer Anstrengung erschöpft und atmet schwer
  • Blähungen/Aufgasungen
  • Bewegungsstörungen, unsicherer Gang, Anfälle/Krämpfe, Koordinationsprobleme etc.
  • Herzgeräusche (Knattern, besonders bei Stress)

Akute Anzeichen für Herzversagen:

  • Atemnot, verstärkte Atmembewegung, starke Nasenatmung (Nasenbewegungen), offener Mund (durch Wasser in der Lunge/Lungenödem)
  • schneller Herzschlag
  • Offener Mund
  • Kopf anheben um besser Luft zu bekommen (im Endstadium), im Extremfall wird der Kopf in den Nacken gelegt
  • Wasser im Bauch/Wasseransammlungen/Ödem (Thoraxerguss)
  • Schwäche
  • Viele Meerschweinchen haben unspezifische Symptome, z.B. fressen sie nicht mehr
  • Die Schleimhäute sind durch den Sauerstoffmangel blau verfärbt

Diagnostik

Bei der Diagnostik sollte beachtet werden, dass betroffene Meerschweinchen meist sehr stressanfällig sind und beispielsweise beim Röntgen versterben können.

Bei Herzerkrankungen sollte i.d.R. ein Herzultraschall durchgeführt werden. Herzspezialisten finden. Meist kann dir auch dein meerschweinchenkundiger Tierarzt, einen Tierarzt der ein Herzultraschall durchführt in der Nähe empfehlen.

  • Abhören mit einem Stethoskop
  • Röntgen
  • Blutdruckmessung
  • VHS (vertebral heart score): Referenzbereich (Onuma et al., 2010): 6,8 – 8 (8,5) Brustwirbel; unter 1,6kg – 7,5 Brustwirbel
  • Herz-Ultraschall (Echokardiografie)
  • Herz-EKG
  • Perikardiozentese (diagnostische Punktion des Herzbeutels um die Flüssigkeit zu entnehmen), anschließende bakterielle und zytologische Untersuchung
  • Bei einer Erkrankung des Herzens muss immer auch die Schilddrüse (T4 Wert) überprüft werden.

Röntgenbilder sind unbedingt anzuraten um Differenzialdiagnosen (z.B. Lungenentzündung, Tumore, Abszesse etc., die das Herz einschränken…) auszuschließen, zudem sollte ein Herz-Ultraschall durchgeführt werden und festzustellen, welche Herzerkrankung vorliegt. Dann können auch die Medikamente richtig angepasst werden. Der Herzultraschall wird normalerweise nicht bei akuter Atemnot sondern erst, wenn eine Stabilisierung erreicht werden konnte, durchgeführt.

Welche Diagnosen treten beim Meerschweinchen auf?

  • dilatative Kardiomyopathie (DCM), Pumpfunktionsstörung durch Erweiterung des Herzmuskels
  • hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), zu dicker Herzmuskel, der sich schlecht entspannen kann
  • kongestive Herzinsuffizienz (Pumpfunktionsstörung)
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung)
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Endokarditis (Herzklappenentzündung)
  • Arteriosklerose (Verkalkung der Arterien)
  • Herzklappeninsuffizienz (Mitral- und Trikuspidalinsuffizienz)
Um Stress zu vermeiden, sollte die Gruppe so bleiben wie sie ist. Neu-Vergesellschaftungen sind nur sinnvoll, wenn das Meerschweinchen alleine ist.

Therapie

Einige Meerschweinchen müssen erst stabilisiert werden, bevor ein Herzultraschall möglich wird. Dafür wird folgende Therapie genutzt:

  • Sauerstoff
  • Cortison (bei akuter Atemnot, nur kurzfristig)
  • Diuretika (Entwässerung) bei Wasser in der Lunge

Die Therapie sollte möglichst schonend erfolgen, da z.B. Zwangs-Eingaben von Medikamenten oftmals mehr anrichten als unterstützen. Suchen Sie eine schonende Möglichkeit der Eingabe, z.B. indem Sie das Medikament in einem leckeren Lieblingsfressen verstecken.
Nach umfangreicher Diagnostik verschreibt der Tierarzt geeignete Medikamente (je nach Herzerkrankung), z.B.

  • Diuretika (Entwässerung): wenn Flüssigkeit in der Lunge ist, Furosemid (Dimazon, Furotab, Lasix etc.)
  • ACE-Hemmer (Lastsenker): Benazepril, Enalapril, Ramipril, Telmisartan, Imidapril (Prilium, Fortekor)
  • Pimobendan (Pumpfunktionssteigerung): z.B. Vetmedin, Cardisure, Pimotab, Zelys
  • Spironolacton (Antifibrose): Cardalis
  • Herzglycoside (Digoxin: erhöht die Schlagkraft, verzögert Erregungsweiterleitung): Lanicor Tabletten oder zum Spritzen
  • Pflanzliche Präparate wie z.B. Cardio Komplex, Cardio Liquid, Weißdornextrakt (Crateagutt TropfenCrataegus ad usum vet),

Die Medikamente müssen in der Regel durch Beobachtung und “Ausprobieren” in der richtigen Dosierung angepasst werden.

Wichtig: Vermeiden Sie hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze, jeglichen Stress und Narkosen. Bei Hitze ist ggf. vorübergehend eine Erhöhung der Entwässerungs-Medikationn notwendig.

Quellen u.a.:

Herzerkrankungen. In: Ewringmann A, Glöckner B, Hrsg. Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu. 2. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2012.