Was ist eine Qualzucht beim Meerschweinchen?

Einige Meerschweinchen sind nach §11 TschG als Qualzucht einzustufen. Durch Zucht wurden Meerschweinchen Jahrzehnte lang auf unterschiedlichste Weise gezüchtet. Dabei wurde teils eine Veranlagung für Krankheiten geschaffen, die für das Tier mit Leiden, Schmerzen oder einer Einschränkung im Leben einhergehen.

Dabei gelten folgende Tiere als Qualzucht:

§ 11b Tierschutzgesetz Deutschland
Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […] wenn damit gerechnet werden muss, dass bei der Nachzucht […] oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.
Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten […] wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen
a) mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten oder
b) jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder
c) deren Haltung nur unter Bedingungen möglich ist, die bei ihnen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führen.

Als Qualzucht eingestufte Rassen

Nacktmeerschweinchen

Baldwins-Meerschweinchen

Baldwin-Meerschweinchen sind nackt und leiden dadurch unter einigen Gesundheitsproblemen – Foto: Erin Koski | CC-BY 3.0

Die Rasse Baldwins verfügen über keinerlei Körperbehaarung.

  • Da die Tasthaare (Vibrissen) ebenfalls verkümmert sind oder fehlen, ist die Nahrwahrnehmung der betroffenen Tiere gestört, denn die Tasthaare sind ein Sinnesorgan.
  • Auch die Wimpern fehlen, sie dienen dem Schutz der Augen durch das Abfangen von kleineren Schmutzpartikeln oder Fremdkörpern.
  • Die fehlende Bahaarung sorgt für eine Störung der Wärmeregulation, betroffene Meerschweinchen frieren häufig. Nackten Meerschweinchen fehlt zudem der Witterungsschutz, so ist u.a. keine Außenhaltung möglich. Außerdem sind Baldwins sehr anfällig für Sonnenbrand unter UV Licht (Sonnenlicht oder Lampe) und können dadurch auch häufiger Hautkrebs entwickeln.
  • Auch der Schutz vor Verletzungen an der Einrichtung, am Futter (Zweige, Dornen) oder im Umgang mit Artgenossen (Bissverletzungen) ist nicht gegeben.
  • Nacktmeerschweinchen sind anfälliger für Hautpilz und Hautparasiten. Parasiten bevorzugen wenig behaarte oder unbehaarte Regionen, deshalb sind nackte Tiere schneller betroffen.
  • Baldwins leiden oftmals unter einem geschwächten Immunsystem, weshalb ihre Lebenserwartung verkürzt sein kann. Außerdem sind sie häufig kleinwüchsig.

Laut dem österreichischen Tierschutzgesetz (§5) ist Zucht mit Nacktmeerschweinchen aufgrund der Haarlosigkeit als Qualzuchtmerkmal verboten. In Deutschland wird das Zuchtverbot für Qualzuchten durch den Paragraph 11b Tierschutzgesetz definiert, welches durch Sachverständigengutachten konkretisiert wird. Als Sachverständigengutachten gelten das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) sowie das Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT): Ersteres stuft Haarlosigkeit und fehlende Vibrissen als Qualzucht ein, auch wenn Meerschweinchen nicht explizit genannt werden. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) geht bei Baldwinmeerschweinchen von einer Qualzucht aus.

Skinny-Meerschweinchen

Skinnypigs haben im Unterschied zu den Baldwins oftmals leicht behaarte Regionen und sind nicht gänzlich nackt. Foto: Goos 32 | CC-BY 3.0

Die Rasse Skinny-Meerschweinchen hat häufig noch mehr oder weniger verkümmerte Tasthaare und Wimpern. Zudem sind oftmals an der Schnauzen-Partie und am Rücken leichte Behaarungen vorhanden.

  • Da die Tasthaare (Vibrissen) ebenfalls verkümmert sind (verkürzt, gekrümmt etc.), ist die Nahrwahrnehmung der betroffenen Tiere gestört, denn die Tasthaare sind ein Sinnesorgan.
  • Auch die Wimpern fehlen oftmals oder sind gekräuselt, sie dienen dem Schutz der Augen durch das Abfangen von kleineren Schmutzpartikeln oder Fremdkörpern. Gekräuselte Wimpern können zudem ins Auge stechen und so zu Augenverletzungen und -Entzündungen führen.
  • Die fehlende Bahaarung sorgt für eine Störung der Wärmeregulation, betroffene Meerschweinchen frieren häufig. Nackten Meerschweinchen fehlt zudem der Witterungsschutz, so ist u.a. keine Außenhaltung möglich. Außerdem sind Skinny-Pigs sehr anfällig für Sonnenbrand unter UV Licht (Sonnenlicht oder Lampe) und können dadurch auch häufiger Hautkrebs entwickeln.
  • Auch der Schutz vor Verletzungen an der Einrichtung, am Futter (Zweige, Dornen) oder im Umgang mit Artgenossen (Bissverletzungen) ist nicht gegeben.
  • Nacktmeerschweinchen sind anfälliger für Hautpilz und Hautparasiten. Parasiten bevorzugen wenig behaarte oder unbehaarte Regionen, deshalb sind nackte Tiere schneller betroffen.

Laut dem österreichischen Tierschutzgesetz (§5) ist Zucht mit Nacktmeerschweinchen aufgrund der Haarlosigkeit als Qualzuchtmerkmal verboten. In Deutschland wird das Zuchtverbot für Qualzuchten durch den Paragraph 11b Tierschutzgesetz definiert, welches durch Sachverständigengutachten konkretisiert wird. Als Sachverständigengutachten gelten das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) sowie das Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT): Ersteres stuft Haarlosigkeit und verkümmerte Vibrissen als Qualzucht ein, auch wenn Meerschweinchen nicht explizit genannt werden. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) geht bei Skinnymeerschweinchen von einer Qualzucht aus.

Weiterführend

Rassen mit gekräuselten Tasthaaren

Die Tasthaare dienen der Orientierung in der näheren Umgebung, diese wird ertastet – Rassen mit veränderter Haarstruktur haben häufig gekräuselte Vibrissen, so dass bei ihnen die Nahrwahrnehmung gestört ist.

Neben den Nacktmeerschweinchen, können weitere Rassen von verkümmerten Tasthaaren (Vibrissen) betroffen sein, u.a.:

  • Rexmeerschweinchen und Crested Rex
  • Teddymeerschweinchen (CH-, US und Crested Teddy)
  • Alpakameerschweinchen
  • Rosetty- und Somali-Meerschweinchen
  • Curly-Meerschweinchen
  • usw.

Bei diesen Rassen kommt es häufig zu stark gewellten/gekräuselten, verkürzten/verkümmerten oder sogar fehlenden Tasthaaren. Ein Fehlen oder Verkümmern der Tasthaare, so dass sie nicht mehr ihre Funktion erfüllen, wird in Deutschland als Qualzucht eingestuft, solche Züchtungen sind verboten.

Einzeltiere, die gekräuselte, verkürzte oder fehlende Tasthaare aufweisen, sind in ihrer Nahwahrnehmung gestört, da die Tasthaare ein Sinnesorgan sind, welches die Orientierung im Nahbereich ermöglicht.

Tasthaare helfen den Meerschweinchen Dinge wahrzunehmen, die ihren Augen verborgen bleiben, sie orientieren sich sehr stark über ihre Tasthaare. Sie können mit den Tasthaaren nicht nur Futter selektieren, sondern auch Abstände einschätzen, den Boden ertasten und Vibrationen in der Luft spüren. Die Wahrnehmung der nahen Umgebung, also das Abtasten und auch abschätzen, ob sie durch eine Öffnung durchkommen, wird so ermöglicht. Das sorgt für eine gute Orientierung in Höhlen, Unterschlüpfen und bei Dunkelheit. Da uns dieser Tastsinn fehlt, können wir uns oftmals schwer vorstellen, was das für die Meerschweinchen bedeutet. Meerschweinchen „sehen“ mit den Tasthaaren, wir rauben ihnen also ein komplettes Sinnesorgan!

Bei Berührung wird die Bewegung der Härchen auf die blutgefüllte Kapsel am Ende des Haares übertragen. Dort sitzt der Nerv, der die Reize an das Gehirn weiterleitet.

In Deutschland wird das Zuchtverbot für Qualzuchten durch den Paragraph 11b Tierschutzgesetz definiert, welches durch Sachverständigengutachten konkretisiert wird. Als Sachverständigengutachten gelten das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzüchtungen) sowie das Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT): Ersteres stuft die Verkürzung bzw. das Fehlen der Tasthaare als Qualzucht ein, auch wenn Meerschweinchen nicht explizit genannt werden. Auch die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) geht bei Meerschweinchen mit gekräuselten Vibrissen von einer Qualzucht aus.

Extreme Langhaar-Meerschweinchen

Betroffen sein können:

  • Alpaka Meerschweinchen
  • Angora Meerschweinchen
  • Coronet Meerschweinchen
  • Lunkarya Meerschweinchen
  • Mohair Meerschweinchen
  • Peruaner Meerschweinchen
  • Sheltie Meerschweinchen

Meerschweinchen sind von Natur aus eher schüchtern und suchen i.d.R. nicht den Kontakt zum Menschen. Deshalb können gerade Rassen mit langen Haaren, noch dazu mit Verfilzungsneigung für scheue oder ängstliche Meerschweinchen zur Qual werden. Die Fellpflege ist für solche Tiere oftmals mit ausgesprochen viel Stress und Angst verbunden.

Langhaarige Meerschweinchen werden zwar offiziell nicht als Qualzucht eingestuft, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT), gibt in ihrem Merkblatt jedoch an, dass „extreme Langhaarformen“ die Qualzuchtmerkmale nach Paragraph 11b Tierschutzgesetz (TschG) erfüllen. Es sollte also in der Langhaarzucht darauf geachtet werden, dass die Tiere nicht verfilzen und einfach und stressfrei zu pflegen sind.

Träger der Osteodystrophie (oft Satin-Meerschweinchen)

Satin-Meerschweinchen sind durch ihr glänzendes Fell bekannt, haben jedoch durch die rassetypische Erkrankung Osteodystrophie einen besonderen Stellenwert in der Tierarztpraxis. Osteodystrophie trat früher vorwiegend bei Satin-Meerschweinchen auf (daher der Name Satinkrankheit), verantwortungsvolle Züchter haben reagiert so dass Tiere aus solchen Zuchten nun kaum noch betroffen sind. Allerdings sind Satin-Meerschweinchen aus Vermehrungen und Tiere anderer Rassen momentan häufig durch Osteodystrophie erkrankt.

Beide Elterntiere sind Träger und müssen aus der Zucht genommen werden.

Osteodystrophie ist eine schwere, unheilbare Erkrankung des Knochenstoffwechsels.

So zeigt sich die Erkrankung:

  • Abmagerung oder gestörte Futteraufnahme, Schwierigkeiten beim Fressen (es wird versucht zu fressen, aber meistens kaum Futter aufgenommen) durch den schwammig werdenden Kieferknochen
  • Chronische Schmerzen
  • Schwierigkeiten beim Laufen, Hoppeln mit den Hinterbeinen, Trippeln, Wegstrecken der Beine beim Liegen, Entlastung der Beine durch Sklelettschäden
  • In fortgeschrittenen Zustand können die Tiere nicht mehr laufen
  • Erhöhte Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche
  • Wo sich die Symptome äußern ist davon abhängig, ob die Krankheit vom Kopf oder der Hüfte ausgeht

Mehr Infos

Dalmatiner und Schimmel

Meerschweinchen die das Dalmatiner- oder Schimmelgen tragen, sind dadurch nicht krank, es ist jedoch wichtig, dass niemals zwei Träger miteinander verpaart werden. Da oftmals nicht bekannt ist, welche Tiere Träger sind, sollten Meerschweinchen mit Weißanteil grundsätzlich nur mit Tieren ohne Weißanteil verpaart werden. Auch Tiere mit einem einzigen weißen Haar können Träger sein!

Verpaare deshalb niemals:

Schimmel x Schimmel

Schimmel x Dalmatiner

Dalmatiner x Dalmatiner

Schimmel x Meerschweinchen mit Weißscheckung

Dalmatiner x Meerschweinchen mit Weißscheckung

Magpie x Schimmel

Dalmatiner x Meerschweinchen mit Weißanteil unbekannter Abstammung

Schimmel x Meerschweinchen mit Weißanteil unbekannter Abstammung

Das Dalmatiner- oder Schimmelgen ist mit dem Lathalfaktor verknüpft, dadurch kommt es bei 25% der Jungtiere aus solchen Verpaarungen zu lethal white-Babys, das sind Tiere die oftmals nicht lebensfähig sind oder schon als Todgeburt auf die Welt kommen. Dadurch ist auch das trächtige Tier in Gefahr. Die Tiere leiden unter Missbildungen, oftmals kommen sie z.B. zahnlos, blind und mit Organschäden auf die Welt. Sie sterben zeitnah nach der Geburt.

Die Zucht mit Trägertieren sollte nur sehr erfahrenen Züchterinnen und Züchtern mit sehr guten Genetikkenntnissen vorbehalten sein!

Trägertiere sollten im Abstammungsnachweis gekennzeichnet und die Personen, die sie übernehmen, gut über die Problematik informiert werden.

Meerschweinchenclub Bayern

Meerschweinchenberatung Österreich

Meerschweinchen mit roten Augen (Albino-Meerschweinchen)

Meerschweinchen mit roten Augen sind sehbehindert.

Meerschweinchen mit roten Augen werden Albinos genannt, bei ihnen fehlt das Melanin, wodurch es zu verschiedenen Störungen kommt.

Sehbehinderung: Albino-Meerschweinchen sind stark sehbehindert und das auch auf mehreren Ebenen! Zum einen ist die Sehschärfe sehr stark reduziert, so dass sie alles verschwommen wahrnehmen, zum anderen sind sie auch häufig kurz- oder weitsichtig. Das Scharfstellen (z.B. auf Sehen im Nahbereich oder in der Ferne) funktioniert bei Albino-Meerschweinchen nicht so gut, wie bei Tieren mit pigmentierten Augen. Kontraste zwischen hell und dunkel nehmen sie sehr viel weniger gut wahr.
Zudem können sie häufig nur eingeschränkt, oder gar nicht räumlich sehen.

Lichtempfindlichkeit: Albino-Meerschweinchen sind sehr viel empfindlicher auf Licht und sollten deshalb hauptsächlich im Schatten gehalten werden. Da der Körper fast kein Melanin produzieren kann und es deshalb im Auge nicht oder in nur sehr geringem Maße vorhanden ist. Typisch Albino-Meerschweinchen ist deshalb eine ausgeprägte Lichtscheue (Photophobie). Wenn alle anderen Meerschweinchen im Sommer lieber draußen sind, ziehen sie sich häufig z.B. in die Schutzhütte oder möglichst abgedunkelte Bereiche zurück. Wenn sie raus gehen, wandern sie von Schattenplatz zu Schattenplatz und halten die Augen halb geschlossen.

Hautprobleme: Zudem neigen sie zu Sonnenbränden und anderen Hauterkrankungen.